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Das Rothschild-Gebetbuch
Einzelpreis: € 3.980,00  
Erscheinungstermin: 1979     ISBN: 978-3-201-01108-2

67 flämische Miniaturen höchster Qualität

Das Rothschild-Gebetbuch gehört zu den schönsten und wertvollsten Stundenbüchern aus der Spätzeit der Livres d’heures. Dieses bis nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend unbekannte Meisterwerk flämischer Buchmalerei entstand zwischen 1510 und 1520 für einen unbekannten hoch gestellten Auftraggeber.
Unter den zahlreichen flämischen Gebetbüchern aus der Zeit zwischen 1480 und 1520, die alle in künstlerisch sorgfältiger Weise ausgestattet sind, ragt das Rothschild-Gebetbuch aufgrund des Reichtums und der besonderen Erlesenheit seiner Ausschmückung hervor. Sein Wert liegt in den zahlreichen farbenprächtigen Miniaturen, den phantasievollen Bordüren und den prachtvollen großen Initialen. Zudem ist der Text, der in lateinischer Sprache verfasst ist, durchgehend mit zahlreichen kleineren, goldverzierten Initialen versehen.

Das Rothschild-Gebetbuch steht inhaltlich in der Tradition der Stundenbücher, die als Gebetbücher für Laien in Gebrauch waren und verschiedene Gebete für die Privatandacht enthielten. Der Inhalt dieser Gebete wird durch die Illustrationen anschaulich unterstützt, sodass sich der Betende während des Lesens meditativ in das Bild versenken konnte. Die Bilder des Rothschild-Gebetbuches wurden von großartigen Künstlern geschaffen, die diese Handschrift zu einem einzigartigen Kunstwerk der Buchmalerei gemacht haben.

Die Meister des Rothschild-Gebetbuches

Wie bei fast allen Stundenbüchern der flämischen Buchmalerei waren an der künstlerischen Ausgestaltung des Rothschild-Gebetbuches mehrere Meister und wohl auch einige Gehilfen beteiligt, die vermutlich einem Atelier angehört haben. Das Werk wurde von mindestens fünf Künstlern gemeinsam geschaffen, über die wir allerdings nicht in allen Fällen genaue Angaben eruieren können.
Ein bedeutender Teil der großen Miniaturen geht auf den berühmten Gerard Horenbout zurück, der aus Gent stammte und Hofmaler der Statthalterin Margarete von Österreich war. Seine Figuren sind von starkem Temperament und von einem in der flämischen Buchmalerei bis dahin unbekannten Naturalismus erfüllt.
Einen ebenso großen Anteil an den Bildern der Handschrift hatte der „Meister des älteren Gebetbuches Maximilians I.“. Seine Miniaturen zeugen vom hohen technischen Können des Künstlers und zeichnen sich durch großartige Perspektiven und minutiös gezeichnete Detailmalerei aus.

Typisiert und meist von kleiner, kräftiger Statur mit strähnigen Haaren sind die Figuren des „Gebetbuchmeisters“. In der Miniatur mit der Darstellung der Auferweckung des Lazarus zeigen die starke Bewegung im Ausdruck des Auferweckten und die ausgezeichnet konzipierten Häusergruppen mit den raumabschließenden Bäumen sein hohes technisches Können.
Ein weiterer Illuminator des Rothschild-Gebetbuches ist Gerard David oder ein äußerst geschickter Schüler von ihm. Dieser besonders als Tafelbildmaler bekannte flämische Künstler hat seine hervorragend gezeichneten Figuren in wunderbar komponierte Landschaften gestellt.
Zwei Minaturen schließlich sind dem großartigen Buchmaler Simon Bening zuzuschreiben, die von ausgezeichneter Qualität sind und aus seiner frühen Schaffenszeit stammen.


Der Inhalt der Handschrift

Die ersten sechs Blätter des Rothschild-Gebetbuches nimmt ein Kalender ein, der nicht nur mit den Darstellungen des bäuerlichen Lebens der einzelnen Monate, sondern auch mit zahlreichen Medaillons der Monatsheiligen geschmückt ist. Es folgen eine Andacht zum Antlitz Christi, die Votivoffizien und Messen für die Wochentage, Evangelienperikopen, das Marienoffizium, Bußpsalmen und Litanei, das Totenoffizium sowie Gebete zu Maria, Christus, den Engeln und Heiligen. Die Schrift ist eine regelmäßige lateinische Textura (gotische Buchschrift) mit zahlreichen Kürzungen, geschrieben von einer Hand.

Der Kommentarband

Der ausführliche wissenschaftliche Kommentar, der von Ernst Trenkler verfasst wurde, beschreibt den kodikologischen Befund und die künstlerische Ausstattung der Handschrift. Neben einem Kapitel über die Geschichte und über die Vorbesitzer der Handschrift werden die einzelnen Künstler in ihrer kunsthistorischen Bedeutung dargestellt.

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