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Das Antiphonar von St. Peter
Monumentale romanische Miniaturen höchster Güte
Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. S. N. 2700, Salzburg, um 1150

CODICES SELECTI, Vol. XXI

Ausstattung

weitere Bilder

 

Das Antiphonar von St. Peter in Salzburg ist als Kunstwerk von so hohem Rang, dass ihm nur wenige liturgische Bücher an die Seite gestellt werden können. Es fand fast 800 Jahre hindurch im Stift St. Peter bei festlichen Anlässen zum Gottesdienst Verwendung, sonst aber lag es wohlbehütet in der Bibliothek oder in der Schatzkammer des Klosters.
Zudem ist das Antiphonar seiner Größe und seinem Umfang nach eine der imponierendsten Handschriften des 12. Jh.s. Es umfasst insgesamt 846 Seiten und weist ein Format von 43,3 x 31 cm auf. Da es nicht allein für den praktischen Gebrauch, sondern vor allem auch für die würdige Repräsentation hergestellt wurde, wurde es mit künstlerischem Schmuck ausgestattet, der als die bedeutendste Leistung dieser Zeit auf dem Gebiet der Buchmalerei gilt.
Farbige Miniaturen auf Goldhintergrund sowie Zierseiten mit goldenen Prachtinitialen auf Purpurgrund illustrieren den liturgischen Text. Zwölf reich verzierte Kalenderseiten, zwei Osterfesttafeln und Federzeichnungen auf grünem und blauem Grund schmücken die Handschrift ebenso wie die über 400 Zierinitialen, die meist Tier- und Pflanzendarstellungen beeinhalten.

Die künstlerische Ausstattung

Die sechs ganzseitigen und die zwei halbseitigen Miniaturen sind der prächtigste und aufwendigste Teil der Ausstattung des Antiphonars. Sie sind in Deckfarbenmalerei ausgeführt und mit vielfarbigen Ornamentleisten gerahmt. Die Figuren sind in warmen Farben gemalt und stehen auf goldenem Grund, der von zartem Glanz ist. Es handelt sich dabei um pulverisiertes Gold, das, wie in Byzanz, mit einem Pinsel auf dünner Leimgrundierung aufgetragen wurde.
Einen weiteren Höhepunkt stellen die acht Zierseiten dar, auf denen ganzseitige Prunkinitialen auf Purpurgrund kunstvoll ausgeführt sind. Die Buchstaben sind oft aus Gold- und Silberranken geformt und mit farbigen Blüten ausgeschmückt. Zuweilen sind sie auch mit Tieren und menschlichen Figuren belebt.
Die farbig grundierten Federzeichungen
Besonders zeichnet sich das Antiphonar durch die gleichberechtigte Kombination von Deckfarbenbildern und Federzeichnungen aus. Ein wesentliches Merkmal der Technik der insgesamt 49 Federzeichnungen ist die Anwendung zweier farbiger Tinten, die den beiden hauptsächlich verwendeten Tinten des geschriebenen Textes entsprechen. Sie stehen allesamt auf blauen und grünen Gründen, die den gezeichneten Darstellungen ihre bildhaft geschlossene Form verleihen.
Zahlreiche Zierinitialen beleben den Text
Die mehr als 400 Zierinitialen stehen auf grünem und blauem Grund und sind abwechslungs- und ideenreich gestaltet. Durch die dezente Grundierung wirken sie zart und fügen sich gut in das Schriftbild ein. Ranken, Blätter und Blüten schmücken die Buchstaben, und vielfach nisten auch naturalistisch gezeichnete Tiere im Geflecht der Ranken.

Der Kalender

Reich verziert sind auch die zwölf Kalenderseiten, die jeweils mit zwei Büsten von Heiligen und einem Tierkreiszeichen ausgestattet sind. Den Anfang des Textes bilden auf jeder Seite zwei Hexameter, deren Inhalt dem modernen Leser nicht minder rätselhaft erscheint wie die Zahlen und Buchstaben am linken Rand der Seite. Um den Sinn dieser Zahlen- und Buchstabenkolonnen zu verstehen, müsste man die schon für das Mittelalter nicht leichte Kunst des „Computus“ beherrschen, d. i. die Wissenschaft von der Berechnung des jeweiligen Ostertermins aus der Stellung des Mondes. Dazu dienten die beiden Ostertafeln, die sich im Anschluss an die Kalenderseiten befinden.

Die Schrift

Das Antiphonar von St. Peter ist von verschiedenen Händen in einer sehr schönen, gleichmäßigen romanischen Buchschrift geschrieben. Die verschiedenen Schreiber gehören alle der gleichen Schreibschule an und unterscheiden sich in ihren Eigenheiten nur geringfügig. Über dem größten Teil des Textes stehen Neumen des St. Gallener Typus.

Der Kommentarband

Der ausführliche und umfangreiche Kommentarband enthält zum einen eine kodikologische und liturgiegeschichtliche Einleitung von Franz Unterkircher, der darin die äußere Form und Ausstattung sowie den Inhalt des Antiphonars eingehend beschreibt. Zum anderen bietet Otto Demus eine kunstgeschichtliche Analyse der Handschrift, die für den Fachmann wie für den Laien sehr aufschlussreich ist. Auch werden Fragen nach der Werkstatt, nach der Datierung sowie der Nachfolge erörtert. Eine ausführliche Bibliographie und nicht weniger als 93 Vergleichsabbildungen auf 68 Tafeln runden den Kommentar ab.

   
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