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Speculum Humanae Salvationis
Die älteste zweisprachige Bilderhandschrift des Heilsspiegels
Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Codex Cremifanensis 243, 1325-1330

CODICES SELECTI, Vol. XXXII

Ausstattung

weitere Bilder

 

Erhältlich als Band 7 der Reihe Glanzlichter der Buchkunst

Eine der schönsten und zugleich ältesten Handschriften des Speculum humanae salvationis, zu deutsch „Spiegel des menschlichen Heils“, ist der Codex Cremifansensis 243, der heute im Benediktinerstift Kremsmünster verwahrt wird. Die insgesamt 192 Miniaturen, allesamt mit sicherer Hand und einem feinen Sinn für die Ausnutzung des Bildraums entworfene, mit Rot und Blau sparsam kolorierte Federzeichnungen, machen den Betrachter mit den Grundfesten der christlichen Lehre vertraut.
Dieser Codex ist nicht nur die älteste Bilderhandschrift des Speculum humanae salvationis, sondern zugleich auch die älteste zweisprachige Ausgabe, in der dem lateinischen Urtext eine etwas verkürzte deutsche Fassung beigefügt ist.
Das Speculum humanae salvationis ist ein Spiegel der Erlösung des Menschen durch Christus und Maria. Es ist eine Bilderbibel, die mit ihrer systematischen Zusammenstellung von Ereignissen aus dem Alten und dem Neuen Testament die umfangreiche Gesamtschau der christlichen Heilsgeschichte enthält.

Die Bilder – ein eindrucksvoller Spiegel der Zeit

Von der Kostbarkeit der Kremsmünsterer Handschrift zeugen die überaus zahlreichen Miniaturen, die in ihrer Einfachheit dem Betrachter sehr eindrucksvoll erscheinen. Der Hintergrund der Miniaturen ist abwechselnd in Rot und Blau gehalten, wobei die Gestalten in der Farbe des Pergaments ausgespart werden. Aus den Gesichtern der Figuren strahlt im allgemeinen Freundlichkeit, Lieblichkeit und ein angenehmes, sympathisches Wesen. Allein zur Darstellung des Bösen sind die Gesichter schwarz verschmiert.
Die in den Miniaturen dargestellten Alltagsgegenstände, Architekturen und Gewänder gestatten uns einen reizvollen Einblick in die Kultur des frühen 14. Jh.s, sodaß diese Handschrift auch eine reichhaltige Quelle für die Kulturgeschichte dieser Zeit darstellt.

Das religiöse Erbauungsbuch des Spätmittelalters

Im Speculum werden die engen Beziehungen zwischen Neuem und Altem Testament sichtbar gemacht, wobei immer vier in Wort und Bild vorgestellte Episoden zu einer Typenreihe zusammengefaßt werden. Das dem neutestamentlichen Kanon entnommene Heilsereignis, der sogenannte Antitypus, der die Typenreihe eröffnet und gleichsam das Thema vorgibt, wird von drei darauf vorausdeutenden Szenen aus dem Alten Testament begleitet. Aus der Wechselbeziehung dieser vier Begebenheiten werden dem Betrachter die inneren Zusammenhänge des jeweiligen Erlösungsthemas deutlich. Auf diese Weise wird eine chronologisch geordnete Gesamtschau des göttlichen Heilsplans, wie er sich sowohl im Alten wie auch im Neuen Bund manifestiert, geboten. Dabei wird die Heilstat Gottes im Neuen Testament immer als das Größere dargestellt.
Die Quantität der dargestellten biblischen Ereignisse und nicht zuletzt der umfangreiche Bilderzyklus machten das Speculum humanae salvationis zum beliebtesten religiösen Erbauungsbuch und zu einem der meistgelesenen Werke des Spätmittelalters.

Der Kommentarband

Der wissenschaftliche Kommentar zur Faksimile-Ausgabe ist der Schlüssel zum Verständnis der Handschrift. Darin beschreibt Willibrord Neumüller O. S. B. sowohl den Inhalt wie auch die Bilder und erläutert die Typologie des Speculum.

   
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