Home    News    Newsletter    Presse    Kontakt    Impressum    ADEVA    Partner           English
 
   
  Faksimile-Editionen
Dokumentationen
Faksimile-Kassetten
   
  Neuerscheinungen
   
  Buchkunst
   
  Enzyklopädien / Reprints
   
  Geschichte
   
  Literatur
   
  Kulturgeschichte
   
  Musik
   
  Kunst
   
  Non-Books
   
   
  Remittenden
   
 
   
 

Hrabanus Maurus - Liber de laudibus sanctae Crucis
Phantastische Bildgedichte aus der karolingischen Hofschule
Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. 652, Fulda, nach 844

CODICES SELECTI, Vol. XXXIII

in den Warenkorb

Ausstattung

Informationen anfordern

weitere Bilder

 

Der Codex Vindobonensis 652, der sich bis ins Jahr 1576 als Besitz der Wiener Nationalbibliothek nachweisen läßt, gehört zu den zahlreichen Abschriften eines Werkes, das bereits zu Lebzeiten seines Verfassers große Berühmtheit und eine planmäßige Verbreitung erlangt hatte.

Als sein Autor ist – durch einen Verfasservermerk und mehrere Quellen ausgewiesen – der Fuldaer Mönch und spätere Bischof von Mainz, Hrabanus Maurus, gesichert. Der als „praeceptor Germaniae“ gelobte Hrabanus gab seiner Schrift die literarische Form der Bildgedichte, die schon sein berühmter Lehrer Alkuin in Tours geübt hatte. Hrabanus führte diese Gattung zu einer neuen Blüte, wobei er sich weniger auf die unmittelbaren karolingischen Vorbilder als auf die eigentliche Quelle dieser Form berief. Im 4. Jh. n. Chr. hatte Optantius Porphyrius anläßlich des 20. Regierungsjubiläums Konstantins des Großen einen Panegyrikos verfaßt, um die Gunst des Kaisers wiederzugewinnen. Dieses aus 28 Gedichten bestehende Loblied auf den Herrscher begründete den Typus des Bildgedichtes, das eine Zwischenstellung zwischen Bild und Text einnimmt.

Der in ein rasterartiges System eingeschriebene metrische Text wird als Schriftfeld in einem quadratischen Rahmen wie ein Bild vorgestellt. Aus diesem Schriftfeld treten – durch Farbfassung und einen Wechsel in der Schriftart betont und durch bildhafte Umrisse verbunden – einzelne Buchstaben und  -gruppen hervor. Diese fügen sich zu selbständigen Gedichten oder Wortfolgen, die auf das inhaltliche Gesamtkonzept – die Verherrlichung des Kreuzes – Bezug nehmen.

Unter den Bildgedichten unserer Handschrift lassen sich zwei verschiedene Typen feststellen:
Zum einen finden sich „Figurengedichte“ mit geometrischen Schemata, zum anderen solche, deren innere Sinnzeilen menschliche und tierische Gestalten füllen. Beide Formen – die abstrahierenden Zeichen wie die Abbilder (imagines) – können auf spätantike Traditionen zurückgeführt werden. Zur Erleichterung der Lesung der in Bogen oder oft auch gegenläufig angeordneten inneren Gedichte dient der jedem Bild unmittelbar gegenübergestellte, in Minuskeln ausgeführte Prosatext auf der Recto-Seite. Er erläutert den Sinn und wiederholt – meist in roter Tinte besonders gekennzeichnet – die hervorgehobenen Wortgruppen der Verso-Seite.
Die insgesamt 28 Bildgedichte (auch die Zahl 28 verweist auf das Vorbild des Porphyrius) gehörten zur ersten Fassung der Abhandlung über das Hl. Kreuz, die Hrabanus bereits zwischen 810 und 814 vorlegte. Das letzte von ihnen war gleichzeitig das Dedikationsbild des Werkes, das den Autor selbst zu Füßen des rettenden Kreuzes darstellte. In der Folge kam es zur Anfertigung mehrerer Abschriften, die durch Widmungen bestimmten Persönlichkeiten zugeeignet wurden.

Der Wiener Codex hat drei dieser Widmungen, die im Laufe der Zeit offensichtlich als feste Bestandteile des Werkes betrachtet und mitkopiert wurden, erhalten. Diese beziehen sich auf Papst Gregor VI. und auf Ludwig den Frommen als miles Christianus, als Verteidiger des Kreuzes und somit des Glaubens.
Die in einer expressiven Malweise mit einer besonderen Betonung von Köpfen und Händen der Figuren ausgeführten Dedikationsbilder geben auch wesentliche Anhaltspunkte für die Datierung der Handschrift. Den spätesten Terminus bietet die Widmung an Gregor IV. Aus den Fuldaer Annalen ist zu entnehmen, daß das Geschenkexemplar erst 844 nach Rom gelangte, wo der Papst gerade verstorben war. Da das entsprechende Widmungsbild zum Buchblock gehört, d.h. in einem Arbeitsgang mit der Einleitung, dem Haupt- und dem Schlußteil verbunden wurde, kann der Wiener Codex in seiner erweiterten Zusammenstellung erst gegen die Mitte des 9. Jh.s entstanden sein.

   
  Europäische Bilderhandschriften
  Europäische Texthandschriften
  Mittelamerikanische Handschriften
  Orientalische Handschriften
  Musikhandschriften
  Dokumentationen Faksimile-Kassetten
  Alphabetischer Index
  Chronologischer Index
  Thematischer Index
ADEVA News

Besuchen Sie die ADEVA auf der Leipziger Buchmesse 2017

mehr...  
  

ADEVA - Akademische Druck- u. Verlagsanstalt Graz - A-8042 Graz, St. Peter Hauptstraße 98 - Tel/Phone: +43 (0)316 46 3003 - Fax +43 (0)316 46 3003-24