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Die Trierer Apokalypse
Die älteste und umfangreichste Bilderhandschrift zur Apokalypse
Stiftsbibliothek Trier, Codex 31, um 800

CODICES SELECTI, Vol. XLVIII

Ausstattung

weitere Bilder

 

Erhältlich als Band 10 der Reihe Glanzlichter der Buchkunst

Die nach ihrem späteren Aufbewahrungsort so benannte Trierer Apokalypse ist nicht nur die älteste auf uns gekommene illustrierte Fassung der Offenbarung des Johannes, sondern sie enthält auch den umfangreichsten Bilderzyklus dieses biblischen Buches, der sich aus dem frühen Mittelalter erhalten hat.
Die Bedeutung und Besonderheit der Trierer Apokalypse (griech.: „Offenbarung“) liegt in ihrem einzigartigen Bildschmuck, zu dem sich in der gleichzeitigen karolingischen Buchmalerei kaum Parallelen finden lassen. Die insgesamt 74 ganzseitigen, rot gerahmten Miniaturen illustrieren in anschaulicher Weise jeweils eine Textsequenz dieses letzten Buches des Neuen Testaments, das einem nicht näher bekannten Johannes zugeschrieben wird.
Der unschätzbare ikonographische Wert des Codex liegt darin, daß deutliche Spuren von altchristlichen, vermutlich römischen Vorbildern erkennbar sind. Somit ist uns mit der Trierer Apoklaypse auch eines der wenigen Zeugnisse erhalten, die das spätantike Kunstschaffen widerspiegeln, jene Quelle, aus der die mittelalterliche Kunst geschöpft hat.


Die Miniaturen

Die Miniaturen der Trierer Apokalypse sind kolorierte Federzeichnungen und nehmen jeweils eine ganze Seite ein. Sie sind in den fortlaufenden Text regelmäßig eingeschaltet, indem sie – bis auf die erste (fol. 1v) – jeweils den vorangehenden Abschnitt illustrieren.
Der Bilderzyklus der Trierer Apokalypse ist eine reine Illustration des Textes in erzählender Form. Er bietet keine über den Text hinausgehende Deutungen und Interpretationen. Bezüge auf einen der spätantiken oder frühmittelalterlichen Apokalypsekommentare oder sonstige theologische bzw. liturgische Schriften lassen sich nicht nachweisen.

Faszinierende Parallelen mit antiken Motiven

Spannend sind bei zahlreichen Darstellungen die offensichtlichen Parallelen mit antiken Motiven. So ist z. B. die ziegenköpfige Gestalt des Satans (fol. 66r und 67r) auffallend, die mit der Vorstellung der Bocksgestalt des antiken Gottes Pan zusammenhängt. Allerdings ist diese Darstellung des Satans in der Trierer Apokalypse bereits zu einer Zeit entstanden, als die direkte Anschauung des antiken Pan-Bildes nicht mehr gegeben war und der Zusammenhang zwischen dem antiken Bocksgott und dem christlichen Satan in Vergessenheit geraten war. Vielmehr war nur mehr die Bocksgestalt des Satans im Bewußtsein.
Es treten im Trierer Bilderzyklus noch zahlreiche weitere Motive antiker Herkunft auf, wie z. B. der Engel auf fol. 19v, der den Figuren der antiken Siegesgöttin Nike auffallend gleicht. Auf Grund dieser augenscheinlichen Parallelen ist es sehr wahrscheinlich, daß der Trierer Apokalypsezyklus auf eine spätantike Bilderfolge zurückgeht.

Ein visionäres Buch

Der lateinische Text der Trierer Apokalypse folgt einer frühen italischen Vulgata und ist in einer gut lesbaren karolingischen Minuskelschrift mit einem auffallend großen Anteil an Halbunzialen geschrieben. In späterer Zeit wurden zahlreiche Stellen von einer Hand des ausgehenden 11. Jh.s radiert und korrigiert.
Unter den Büchern des Neuen Testaments war die Apokalypse in ihrer Bedeutung umstritten. Bis zum 5. Jh. haben die Kirchen von Syrien, Kappadokien und Palästina dieses Buch nicht in den Schriftkanon aufgenommen, während es in der abendländischen Kirche als apostolische Schrift angesehen wurde. Bereits in frühchristlicher Zeit wurde dieses visionäre Werk mit Bildern ausgestattet; jedoch ist uns keiner dieser frühen bebilderten Codices erhalten.

Der Kommentarband

Ein ausführlicher wissenschaftlicher Kommentar beschreibt die Handschrift und ihre kunstgeschichtliche Bedeutung. Richard Laufner erläutert darin den kodikologischen Befund, während Peter K. Klein ausführlich über Zeit und Ort der Entstehung sowie über die Illustration des Codex schreibt.

   
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