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Das ältere Gebetbuch Kaiser Karls V.
76 Miniaturen aus der Gent-Brügger Schule
Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. 1859, 1516-19

CODICES SELECTI, Vol. LVII

Vergriffen

Ausstattung

weitere Bilder

 

Als der junge Karl schon König von Spanien, aber noch nicht Kaiser war, erhielt er in den Jahren zwischen 1516 und 1519 ein Gebetbuch als Geschenk, das er eifrig in Gebrauch hatte, wie man heute noch aus den Benützungsspuren ersehen kann. Die hervorragende Schönheit der künstlerischen Ausstattung lässt dieses Gebetbuch als eine würdige Gabe für einen Herrscher erscheinen, der jener berühmte Kaiser werden sollte, in dessen Reich die Sonne nie unterging.
Das wichtigste Element des künstlerischen Schmucks sind die insgesamt 76 Miniaturen, deren Format wesentlich durch die Rahmen mitbestimmt wird. Hinzu tritt der graphische Schmuck mit den überall im Text verstreuten bunten Initialen und Zeilenfüllungen, die auf den Seiten der Miniaturen farblich mit den Rahmen übereinstimmen. Die 24 Kalenderseiten, die den Text einleiten, sind zur Gänze mit Initialen, Zierleisten und abwechselnd schwarzer und roter Schrift ausgestattet, wahre Kunstwerke, auch ohne figuralen Schmuck.
Die künstlerische Ausstattung des Buches ist allerdings keineswegs von einem übertriebenen Prunk, der für eine geistige Sammlung im Gebet hinderlich gewesen wäre. Vielmehr wird die organische Einheit von Text und Schmuck durch die asketische Einfachheit der Rahmen noch betont, so dass dieses Buch nicht nur ein wertvolles Schaustück, sondern ein vielbenütztes Hilfsmittel zur inneren Andacht des jungen Königs und späteren Kaisers war.

Die künstlerische Ausstattung

Sosehr das Gebetbuch in der gefestigten Tradition der Livres d’heures steht, so entschieden hebt es sich doch in seiner individuellen Anlage und Ausstattung von den zahlreichen verwandten Werken ab. Es gehört der letzten Generation dieser Buchart an, die im 2. Jahrzehnt des 16. Jh.s noch sehr kräftig blüht, die nach dem 3. Jahrzehnt allmählich ausstirbt. Es ist also weniger ein Werk des Übergangs als vielmehr ein Werk des Ausklanges.
Die kostbaren Miniaturen sind von einem namentlich nicht bekannten Meister geschaffen. Ein besonderes Kennzeichen sind die zarten Farben, deren Schönheit wesentlich für die künstlerische Wirkung des Buches ist. Sie geben den Landschaften im Hintergrund einen sanften atmosphärischen Ton, der die Einzelheiten nur flüchtig andeutet. Die landschaftliche Perspektive wird meisterhaft beherrscht, die Architekturen im Vordergrund sind einfach und schlicht gehalten. Besondere Freude hat der Maler an der Darstellung von modischen Einzelheiten, besonders von Details der weiblichen Kleidung.
Das ältere Gebetbuch Karls V. hat sich für eine einfache, aber in ihrer konsequenten Art wirkungsvolle Rahmung entschieden, die jedoch auf jeden übertriebenen Prunk verzichtet. Daneben verdienen auch die Initialen als Schmuckelement besondere Beachtung. Sie sind das Werk eines eigenen Meisters, der mit dem Schreiber und dem Miniator eng zusammengearbeitet hat. Von ihm stammen auch die zahlreichen Zeilenfüllungen, die mit ihren zierlichen mehrfarbigen Leisten besonders den Kalenderseiten ein farbenfrohes Aussehen geben.

Ein Kleinod zur geistigen Andacht

Die Sprache dieses Buches ist das allen Gebildeten jener Zeit verständliche Latein. Nur wenige Gebete, einige Titel und Zwischenanweisungen sind französisch. Beinahe das ganze Buch ist nach einem einheitlichen Plan von einer einzigen Hand in einer sehr sorgfältigen und zierlichen burgundischen Bastarda geschrieben. Die Schrift entspricht in ihrer vornehmen Einfachheit dem Zweck des Buches als Hilfsmittel zur inneren Andacht.
Von der Kostbarkeit dieses kleinformatigen Gebetbuches zeugt nicht zuletzt der Beschreibstoff, der aus feinstem „Jungfernpergament“ besteht. Der königliche Besitzer und auch eifrige Benützer selbst, Karl V., ist auf fol. 213v dargestellt. Dort und auch auf der folgenden Seite (fol. 214r), d. i. beim Gebet zum eigenen Schutzengel, ist der Text an einigen Stellen bis zur Unleserlichkeit verschmutzt, was auf den eifrigen Gebrauch des Besitzers hinweist.
Dieses Gebetbuch, das in seiner äußeren Form der Würde des königliche Besitzers angemessen war, diente als Erbauungsbuch für einen jungen Herrscher, der sich für seine geistige Sammlung immer wieder darin versenkte.

Der Kommentarband

Der ausführliche wissenschaftliche Kommentar, der von Heinrich Karl von Liechtenstein verfasst wurde, gibt eine kodikologische und kunsthistorische Einführung in das ältere Gebetbuch Karls V. Darin wird in einer auch für den Laien ansprechenden Weise der textliche Inhalt erschlossen sowie die künstlerische Ausstattung ausführlich beschrieben, wobei auch zahlreiche Vergleichsabbildungen beigefügt sind.

   
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