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Der Goldkoran
184 strahlende goldene Blätter
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. arab. 1112, Irak oder Iran, 11. Jahrhundert

CODICES SELECTI, Vol. CXVIII

Ausstattung

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Kolorierte Beschreibstoffe wurden in der Koranherstellung nur selten verwendet: Berühmt ist der >Blaue Koran< in Kuli, dessen Blätter seit Jahrzehnten einzeln versteigert werden. Einige Koranhandsehriften wurden mit Safran oder Purpur eingefärbt. Der vorliegende Koran, der vermutlich aus Iran oder dem Irak stammt, ist in schwarzem Naskhi auf Papier geschrieben und wegen der Goldgrundierung des Papieres ein Unikat.

Naskhi wurde im 10. Jahrhundert vom Kalligraphen Ibn Mnkla (gest. 940) als exakt proportionierte Kursivschrift standardisiert. Ihre Maßeinheit ist das Alif, der erste Buchstabe im arabischen Alphabet, nach dem sich die Größe aller anderen Buchstaben richtet. Auf diese mathematische Grundlage stützten sich auch die berühmten Kalligraphen Ibn al‑Bawwab (gest. 1022) und Yakut al Musta'simi (gest. 1298).

Am Anfang der Handschrift zeigt das Fragment einer Zierseite ein geometrisches Muster aus Achtecken, Sternen, Vierpässen und Schriftmedaillons. Die Surenüberschriften in blauem, weißem und rotbraunem Kufi oder einer Kursivschrift sind eingerahmt und mit floralen und arabesken Mustern verziert. Die Basmala, mit der alle Suren bis auf die neunte beginnen, nimmt entweder die gesamte oder den größten Teil der ersten Zeile ein. Über dem lang gedehnten Buchstaben Sin der Basmala ist in roter Tinte der Surentitel mit der Angabe der Verszahl wiederholt. Der Text ist voll vokalisiert, Verse sind durch Rosetten getrennt. Da der Buchblock bei einer späteren Bindung beschnitten wurde, sind die Randornamente teilweise verlorengegangen.

Der Koran weist verschiedene Kriterien auf, die ihn der Schule des Ibn al Bawwab zuordnen: Die ungewöhnliche Anordnung der ersten Seite mit zwei Surenüberschriften, die Längung des Sin in der Basmala, die Verteilung der Basmala auf nahezu eine ganze Zeile, die Verwendung der von Ibn al‑Bawwab neu eingeführten Farben Weiß, Braun und Karmesinrot und schwarzer Tinte, die leichte Linksneigung der vertikalen Buchstaben, der dichte und trotzdem sehr klare Schriftduktus sind typisch für seinen Stil. Die Qualität dieses einmaligen Codex auf Goldpapier, der 1967 im Institut für Buch‑ und Handschriftenrestaurierung der Bayerischen Staatsbibliothek ein Jahr lang aufwendig restauriert und damit gerettet wurde, würde auch dem hohen Rang der oben genannten Kalligraphenschule entsprechen.

   
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