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Abu´l Qasim Halaf ibn Abbas al-Zahraui – Chirurgia

Grundlagenwerk der Medizin und Brücke zwischen Orient und Okzident

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. S. N. 2641, Süditalien, 2. Hälfte des 14. Jh.

CODICES SELECTI, Vol. LXVI

Ausstattung

weitere Bilder

 

Erhältlich als Band 21 der Reihe Glanzlichter der Buchkunst

Das Lehrbuch der Chirurgie des arabischen Arztes Abu´l Qasim Halaf Ibn `Abbas al-Zahraui galt über 500 Jahre hindurch als das wichtigste Handbuch zu diesem Gebiet der Heilkunde. Es stellt das älteste und zugleich bedeutendste Bindeglied zwischen der griechischen Medizin der Antike und Spätantike und der europäischen Medizin des Hochmittelalters dar.

Den größten Teil des Mittelalters über waren im Abendland die medizinischen Kenntnisse der griechisch-römischen Antike verloren. Erst durch die Araber, die das antike Gedankengut auf den Gebieten der Dichtung, Philosophie und Naturwissenschaften bewahrten, wurden diese Kenntnisse im Abendland wieder bekannt gemacht, wobei auf dem Gebiet der Chirurgie die arabische Medizin eigene Fortschritte gemacht hatte. Der größte Vertreter dieses Faches war Abu´l Qasim, der am Hofe des Kalifen al-Hakam II. (961–976) tätig war und dessen Schriften weithin bekannt waren.

Die lateinische Übersetzung des arabischen Lehrbuches der Chirurgie wurde reich illustriert und kunstvoll ausgestattet, wodurch die Wertschätzung des für das damalige Abendland sensationellen Textes nochmals unterstrichen wird. Den Hauptschmuck der bibliophilen Handschrift bilden insgesamt 68 Miniaturen, die die einzelnen Behandlungsmethoden und die entsprechenden medizinischen Instrumente anschaulich illustrieren. Neben diesen Miniaturen, die arabische Vorbilder vermuten lassen, zeugen auch zahlreiche Goldinitialen (insgesamt sind es 227) von der unbestrittenen Qualität der nicht nur für die Medizin-, sondern auch Kunstgeschichte bedeutsamen Handschrift.
 

Abu´l Qasim: Ein bedeutender arabischer Arzt

Abu´l Qasim wurde vermutlich in den 30er oder 40er Jahren des 10. Jh.s in der Nähe von Cordoba in Spanien (genauer in al-Zahra) geboren. Der arabische Gelehrte entstammte also dem westlichen Kalifat der Omajjaden, das im 10. Jh. zu seiner Blüte gelangt war. Als Leibarzt des Kalifen al-Hakam II. hatte er die Möglichkeit, seinen Ruf als Arzt weit über seinen Wirkungsbereich hinaus zu verbreiten. Seine Schriften fanden große Beachtung und wurden bald mehr gelesen als die Schriften des Galen.
 

Der Inhalt

Die Chirurgia ist der Schlussteil eines groß angelegten und umfassenden Werkes („Kitab al Tasrif liman ´ajiza `an-al-ta´alif“), in dem die Rezeption des griechischen medizinischen Wissens einerseits und die eigenen Erfahrungen einer jahrzehntelangen ärztlichen Praxis andererseits ihren schriftlichen Niederschlag gefunden haben.
Von den insgesamt 30 Abschnitten dieses Lebenswerkes Abu´l Qasims, das in enzyklopädischer Form die medizinischen Teilgebiete beschreibt, wurden außer der Chirurgia lediglich drei weitere Abschnitte ins Lateinische übersetzt, womit dieses opus magnum dem Abendland weitgehend verschlossen blieb. Die Chirurgia ging jedoch als die bedeutendste Schrift auf diesem Gebiet in die Medizingeschichte des Hoch- und Spätmittelalters ein.
Die Chirurgia ist in drei Bücher gegliedert und mit zahlreichen Miniaturen zu den einzelnen Behandlungsmethoden illustriert. Im ersten Buch über die Glüheisentherapie („cauterisationes“) zeigen allein 40 Miniaturen die Anwendung an den verschiedenen Körperstellen. Das zweite Buch handelt vom Schnitt, von der Geburtshilfe, dem Aderlass, der Wundbehandlung, der Schröpfung und dem Ansetzen von Blutegeln, was durch 27 Miniaturen, davon eine für die Behandlung des Wasserkopfes bei Kindern (fol. 17r), veranschaulicht wird. Das dritte Buch über die Einrichtung und Behandlung von Frakturen und verrenkter Gliedmaßen enthält die bekannte und vielfach reproduzierte Miniatur mit der Streckbank (fol. 76v).
 

Die künstlerische Ausstattung

Beinahe alle Miniaturen, die zumeist annähernd quadratisch sind, zeigen Behandlungsszenen, in der der Arzt im langen, wallenden Gewand mit weiten Ärmeln und einem Turban auf dem Kopf das Zentrum bildet. Sein Ansehen und seine Würde wird im Bart des Weisen und in der goldverzierten edlen Gewandung zum Ausdruck gebracht. Eindrucksvoll ist auch die verblüffend natürliche Darstellung der Patienten, die in verschiedenen Körperstellungen und Haltungen abgebildet sind. Auch ihre Schmerzen und Ängste vor der Behandlung werden eindrucksvoll in ihren Gesichtern wiedergegeben.
Drei verschiedene Bildhintergründe treten in den Miniaturen, die von der Hand eines anonymen Künstlers stammen, entgegen. Es sind dies die flachen Hintergründe in der Art einer Tapete, die Architektur- und Landschaftshintergründe sowie die blanken Pergamenthintergründe, auf denen die Miniaturen frei stehen. Plastische Lebendigkeit erhalten die Bilder durch die reiche Palette von leuchtenden Farben sowie durch Goldhöhungen und Blattgoldauflagen im Hintergrund, die die Illustrationen als kostbare Bilder erscheinen lassen.
Der Text ist von einer regelmäßigen Hand in Textualis formata mit starker Neigung zur Rotunda im 14. Jh. in schwarzer Tinte geschrieben worden. Besonders reizvoll ist die Zierseite (fol. 3r) mit einer prachtvollen P-Initiale und Ranken, auf denen sich geflügelte Fabeltiere, Vögel, speertragende Hunde und pfeilschießende Hasen tummeln.
 

Ein für die Medizin bahnbrechendes Werk

Als Übersetzer der Chirurgia Abu´l Qasims aus dem Arabischen ins Lateinische wird allgemein Gerhard von Cremona (1114–1187) überliefert. Er war eines der bedeutendsten Mitglieder der berühmten Übersetzerschule von Toledo, wo eine große Anzahl von griechischen Schriften nach arabischen Quellen ins Lateinische übersetzt wurde. Der Übersetzung der Chirurgia kommt das Verdienst zu, dem lateinischen Europa einen Text erschlossen zu haben, der auf dem Gebiet der Chirurgie griechische und arabische Kenntnisse vermittelte, die der europäischen Medizin noch fehlten.
Die lateinische Fassung der Chirurgia, die auch für die lateinische Philologie des Mittelalters eine reichhaltige Quelle darstellt, eröffnete dem Abendland neue, für die damalige Zeit revolutionäre Methoden und hatte somit für die europäische Medizin eine bahnbrechende Wirkung.
 

Der Kommentarband (vergriffen; Glanzlicht Bd. 21)

Der ausführliche wissenschaftliche Kommentar, der von Eva Irblich verfasst wurde, beinhaltet neben einer Einführung über den Autor und den Übersetzer der Handschrift sowohl eine kodikologische als auch eine inhaltliche Beschreibung des Codex. Eine Bibliographie und ein Register zum Inhalt der Handschrift schließen den Kommentarband ab.

   
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