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Das Worms Mahzor
Eine der ältesten Ashkenazi-Handschriften
Jerusalem, Jüdische National- und Universitätsbibliothek, MS 4° 781/1, Rheinland, 13. Jh.

Nicht in der Reihe CODICES SELECTI

Ausstattung

weitere Bilder

 

Der Worms Machzor gehört zu den ältesten bekannten Gebetbüchern des Aschkenazi-Judentums und ist ein hervorragendes Zeugnis der mittelalterlichen jüdischen Buchkunst. Ein Machzor (hebr. „Zyklus“) enthält, wie der Name schon sagt, die ständig wiederkehrenden Gebete für die hohen Feiertage und ist somit eine Sammlung von „Festgebeten“ für den liturgischen Gebrauch. Der Worms Machzor, der im Jahre 1272 im Rheinland hergestellt wurde, diente den Kantoren von Worms über 650 Jahre lang als „offizielles“ Gebetbuch an den Festtagen.

Seit dem 13. Jh. sind, besonders aus dem aschkenazischen Bereich, prachtvoll illustrierte Machzorim erhalten, von denen der Worms Machzor ein eindrucksvolles Beispiel darstellt. Während die früheren Handschriften diese Typus nur spärlich bebildert waren, entfaltet der Worms Machzor ein ausgeprägtes Dekorationsschema. Es gibt kaum ein Fest, das nicht mit Illustrationen, die den Text anschaulich unterstützen, ausgeschmückt ist. Diese illuminierten Szenen sind ein Spiegel des Lebens der Aschkenazi-Gemeinde und der Gedankenwelt dieser Zeit.
Der Machzor der jüdischen Gemeinde von Worms besteht aus zwei Bänden, wobei mit der Faksimile-Ausgabe der erste Band dieses jüdischen Gebetbuches präsentiert wird (MS 4*781/1 der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem). Außerdem sind auch die illuminierten Seiten (2 Blätter) des zweiten Bandes in originalgetreuer Reproduktion dem Faksimile beigelegt.

Die künstlerische Ausstattung

Die bildlichen Darstellungen des Worms Machzor gehen teils auf frühere Quellen zurück, teils sind sie jedoch originelle Schöpfungen des Künstlers, der dieses Gebetbuch illustriert hat. Der Stil verrät Einflüsse von den zeitgenössischen Malschulen des Rheinlandes. Eine der faszinierendsten Eigentümlichkeiten in den Figuren des Worms Machzor sind die Vogelschnäbel in den Gesichtern der dargestellten Menschen, die im Profil gezeigt werden und eine für die damalige Zeit typische jüdische Kopfbedeckung tragen. Doch auch die Mienen von einigen Menschen, die ohne irgendwelche Gesichtszüge dargestellt werden, stechen hervor. Diese Eigentümlichkeiten waren in den deutsch-jüdischen Handschriften des 13. und 14. Jh.s üblich. Auch finden sich im Worms Machzor zahlreiche Darstellungen von Tieren, wie z. B. Elephanten, die nur in dieser Zeit in jüdischen Handschriften abgebildet wurden.

Eine wertvolle Quelle für die Sprachwissenschaft

Die Illustrationen des Worms Machzor stehen in engem Zusammenhang mit dem Text, der auf großformatigem Pergament in einer quadratischen, kalligraphischen Aschkenazi-Schrift mit Vokalen geschrieben ist. Der Schreiber Simchah bar Judah, dessen Vater, Yehuda von Nürnberg, ebenfalls ein professioneller Schreiber war, hat dieses Werk für seinen Onkel Rabbi Baruk ben Yizhaq geschrieben, wie aus dem Kolophon zu entnehmen ist.
Die Vokalisation wurde in der Weise vorgenommen, wie man die Gebete und Pijutim (Hymnen der jüdischen Liturgie) zu dieser Zeit und in dieser Umgebung hörte, weshalb der Text heute als wichtige Quelle für die Erforschung der Vokalisation und Aussprache des Hebräischen im Deutschland des Mittelalters angesehen wird.
Von großer Bedeutung ist auch ein Verspaar auf Folio 54r, das den ältesten sicher datierten Text in altjiddischer Sprache darstellt. Damit werden die Anfänge der jüdisch-deutschen Literatur für die Forschung erhellt. Dieses Verspaar hat einen Segensspruch zum Inhalt und gehört nicht zum eigentlichen Text, sondern dient als Ornament, indem es in kleinen Buchstaben in einem freigelassenen Raum in den hebräischen Text eingefügt ist.

Bewahrung eines wertvollen Codex

Da der Machzor der jüdischen Gemeinde von Worms jahrhundertelang in Gebrauch war, wurde er mit der Zeit auch immer mehr abgenützt. Daher wurde er in seiner heutigen Aufbewahrungsstätte in Jerusalem restauriert. Für zehn Blätter allerdings war die Anwendung eines Spezialverfahrens notwendig, welches in Wien durchgeführt wurde.

Der Kommentarband

Der ausführliche wissenschaftliche Kommentarband, der sowohl in englischer als auch hebräischer Sprache verfasst ist, enthält Beiträge der bedeutendsten internationalen Experten der Judaistik, Kodikologie, Jüdischen Kunstgeschichte und Buchrestauration. Darin wird der Leser mit dem kodikologischen Befund der Handschrift sowie ihrer historischen, liturgischen, kunstgeschichtlichen und sprachwissenschaftlichen Bedeutung eingehend vertraut gemacht.

   
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