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Das Schwazer Bergbuch
Das älteste deutsche Bergbaubuch
Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. 10.852, Tirol, 1556-1561

Nicht in der Reihe CODICES SELECTI

Ausstattung

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Der Codex Vindobonensis 10.852 stammt aus der weltbekannten Ambraser Sammlung des Erzherzogs Ferdinands II. (1564–1595 Landesfürst von Tirol). Es ist daher zu vermuten, dass dieses Exemplar für ein Mitglied der fürstlichen Familien entstanden ist. Der Codex zeichnet sich durch die große Anzahl der Miniaturen und die Zuverlässigkeit ihrer Darstellungen aus, weshalb er für die Faksimilierung ausgewählt worden ist. Der Reiz der fein kolorierten Federzeichnungen liegt in ihrer erstaunlichen Anschaulichkeit, mit der die Arbeitswelt und das soziale Leben der damaligen Zeit vermittelt werden.

Die Selbstdarstellung des berühmten Bergbaus seiner Zeit wurde geschrieben und illustriert, um drei Zielen zu dienen: Erstens um den Landesherrn, König bzw. seit 1556 Kaiser Ferdinand I., mit seinem reichsten Bergbaurevier vertrauter zu machen, denn Mitte des 16.  Jh.s war dieses in eine bedrohliche Krise geraten und benötigte dringend Hilfe; zweitens, um neue Gewerken (Unternehmer) zu ermutigen, in den Schwazer Bergbau zu investieren; und drittens, um für die kommende Bergsynode im Jahre 1557 (eine Bergsynode ist eine Konferenz aller mit dem Bergbau befassten Entscheidungsträger) Rechtsgrundlagen und Betriebsverhältnisse des Bergbaus umfassend darzustellen.

Diesen Zielen folgt der Inhalt der Handschrift. Das Schwazer Bergbuch beschreibt in seinem ersten großen Abschnitt die Ordnung der Bergwerke, Bergordnung genannt. Die Bergordnung war damals umfassender als es die heutige Berggesetzgebung ist. Sie regelte nicht nur das Bergwerkseigentum, sondern griff auch in die innere Organisation des Bergwerks ein, indem sie sich mit dem Umweltrecht, dem Arbeits- und Sozialrecht sowie der Sondergerichtsbarkeit beschäftigte.

Im zweiten umfangreichen Teil des Schwazer Bergbuchs findet der Leser Denkschriften zur Lage des Bergbaus im Allgemeinen und zu einzelnen Fragen (wie etwa der Aufgabe und Entlohnung der Bergleute), Anleitungen für verschiedene Verrichtungen und Beschreibungen des Schwazer Bergbaus. Beachtung verdient die Warnung vor dem Niedergang der Bergwerke, mit dem bekannten Bild „Vier Dinge verderben ein Bergwerk: Krieg, Seuchen, Inflation und Feierschichten!“
Der dritte Abschnitt enthält ein illustriertes Bergbaulexikon, das älteste seiner Art, mit farbigen Bildern der Arbeitsabläufe und technischen Gegebenheiten sowie praxisnahen Beschreibungen.

Das vierte große Kapitel schließlich bringt eine Zusammenstellung der Rechtssprechung in Schwaz mit Prozessanleitungen, wichtigen Urteilen (darunter eines von Kaiser Maximilian I.) und einen Verhaltenskodex darüber, wie ein Bergmann vor Gericht aufzutreten habe.

Mit seinen insgesamt 120 farbenprächtigen Miniaturen, die die beachtliche historische Aussage des Textes noch unterstützen, indem sie ihn anschaulich illustrieren und in manchem erst verständlich machen, ist das Schwazer Bergbuch zudem eine wichtige Bildquelle für die Realienkunde des 16.  Jh.s. Im Vergleich zum berühmten Bergbuch des Agricola (De re metallica libri XII, gedruckt 1556), das im Wesentlichen den Stand der Bergbautechnik um 1550 wiedergibt, gewährt das Schwazer Bergbuch einen gesamthaften Einblick in die rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse im Bergbau der damaligen Zeit.

   
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