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Das Jagdbuch des Königs Modus
Strahlende flämische Miniaturen zur Jagd
Brüssel, Bibliothèque Royale Albert I., Ms. 10218, Flandern, um 1455

CODICES SELECTI, Vol. XCI

Ausstattung

weitere Bilder

 

Das Jagdbuch des Roi Modus ist der älteste Traktat über alle Aspekte der Jagd. Die heute in Brüssel aufbewahrte Handschrift besitzt die prachtvollste Ausstattung. Sie wurde um 1455 in der Werkstatt des berühmten flämischen Buchmalers geschaffen, der als Girart-Meister bekannt ist. Auftraggeber war Philipp der Gute, Herzog von Burgund.

Um 1370 entstanden, ist es das älteste Jagdlehrbuch in französischer Sprache, das dem späteren berühmten Jagdbuch des Gaston Phébus weitgehend als Vorlage gedient hat. Der Verfasser, Henri de Ferrières, gehörte einer der berühmtesten Adelsfamilien der Normandie an. Sie war Eigentümer des Waldes von Breteuil, in dem auch der König gelegentlich jagte. Der Verfasser nahm an so mancher Hofjagd teil. Seine große Kenntnis und Leidenschaft für das Jagen wird der Grund gewesen sein, dass er im hohen Alter das Schwert mit der Feder vertauschte und vermutlich in fürstlichem Auftrag dieses einmalige Werk verfasste.

Der Aufbau des Buches folgt den zwei wesentlichen Arten zu jagen: mit Hunden und mit Falken. Jede hatte ihre Anhängerschaft, die ihre bevorzugte Jagdart leidenschaftlich vertrat. Das zeigen Streitgespräche, die in den Text des „Livre du roi Modus“ eingeflossen sind. Es wird aber nicht nur die Parforcejagd geschildert, sondern auch näher auf das Bogenschießen eingegangen, die der Pirsch angemessene Waffe und auf die verschiedenen Möglichkeiten, mit Fallen, Schlingen und Netzen das Wild zu fangen. Es werden alle Phasen der Jagd erläutert, deren Grundregeln sich bis heute unverändert erhalten haben. Das Aussehen der Tiere und ihr Lebensraum, ihre Verhaltensweisen, Fährten und Losungen werden genau beschrieben.

Die Miniaturen der Brüsseler Handschrift bestechen durch ihre Lebendigkeit und die gekonnte Wiedergabe der Tiere. Sie sind beste flämische Buchmalerei. Künstlerisch ist der Codex dem Girart-Meister, dessen Werke wie das Burgunderepos „Girart de Roussillon“ oder die „Chronik von Jerusalem“ zu den Höhepunkten der Buchmalerei schlechthin zählen, zuzuordnen. Der Bilderzyklus folgt einer festen Tradition, denn wie der Text dient er der Unterweisung in der Jagd und ihren Regeln. Die Miniaturen sollen die Inhalte veranschaulichen und begreifbar machen. Man sollte sogar nach den Bildern z.B. die verschiedenen Fallen nachbauen können. Der Aufbau der Bilder hat sich daher seit der Entstehung des Textes kaum verändert. Manchmal wurde sogar in der Brüsseler Handschrift eine gewisse Altertümlichkeit beibehalten, wie z.B. der Goldgrund in einigen Miniaturen. Doch die meisten Miniaturen zeichnet eine großzügige Landschaftsgestaltung und eine differenzierte, reich abgestufte Farbgebung aus. Die technische Perfektion erlaubte sogar gewisse illusionistische Effekte.

Nur in diesen Jagdtraktaten kann man während des Mittelalters praktisch fundierte Kenntnisse der Natur wiederfinden, da sich die Wissenschaft in dieser Zeit noch mehr mit dem Symbolgehalt der Tiere beschäftigte. Diese enge Verbindung mit der Natur wurde auch von den Buchmalern gefordert, da sehr viel Wert auf Authentizität der Darstellungen gelegt wurde. In den Bildern zeigt sich aber auch, welche schöne Gelegenheit zur Selbstdarstellung des Adels diese  Jagdveranstaltungen boten. Man hatte Spaß an der Unterhaltung und am Messen der Geschicklichkeit, man freute sich an der Natur und der Bewegung.

   
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